Fertig novelliert – Jahresrückblick kirchlicher Datenschutz 2025

2025 war das Jahr des neuen Datenschutzrechts: Das novellierte DSG-EKD trat in Kraft, das novellierte KDG wurde beschlossen. 2025 war außerdem das Jahr, in dem KI-Themen endgültig nicht mehr aus dem kirchlichen Datenschutz wegzudenken sind – nicht zuletzt, weil Papst Leo XIV. den Umgang mit künstlicher Intelligenz als soziale Frage unserer Zeit identifiziert hat.

Jahresrückblick kirchlicher Datenschutz 2025 – ein Engel schaut zurück
(Bildquellen: Nazym Jumadilova auf Unsplash und Ingmar auf Unsplash, Montage fxn)

Der Artikel-91-Jahresrückblick zeigt, welche Themen den kirchlichen Datenschutz 2025 geprägt haben. Wieder einmal sind viele Dauerbrenner dabei – manche Themen kommen aber langsam zu einem Abschluss.

Aus den Aufsichten

  • Seit dem 1. Januar 2025 gibt es nur noch eine evangelische Aufsicht – mit dem Ende des DSBKD hat der BfD EKD die Aufsicht über alle EKD-Gliedkirchen übernommen.
  • In die Frage nach der Aufsichtszuständigkeit für Jehovas Zeugen kam endlich Bewegung. Nachdem sich Hessen und Berlin über die Zuständigkeit für die Körperschaft über Jahre nicht einig werden konnten, ist das jetzt klar (Berlin übernimmt). Außerdem hat erst die Landesdatenschutzaufsicht Sachsen-Anhalts ihre Zuständigkeit für lokale Gliederungen erklärt, anschließend haben die meisten Landesdatenschutzaufsichten nachgezogen.
  • Der NRW-Diözesandatenschutzbeauftragte geht nicht in eine dritte Amtszeit.
  • Beim Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland gibt es einen neuen Bundesbeauftragten für den Datenschutz.
  • Die KDSA Nord ist immer noch keine KdÖR.
  • Bei der Datenschutzkonferenz dürfen die kirchlichen Aufsichten weiterhin nur am Spielfeldrand dabei sein.
  • Die alt-katholische Datenschutzaufsicht war mit dem Auslaufen der Amtszeit des bisherigen Bistumsdatenschutzbeauftragten (der nicht viel getan hat) seit Anfang des Jahres vakant. Eine neue Besetzung steht noch aus.

Tätigkeitsberichte

Bei den Tätigkeitsberichten treten die Corona-Nachwehen langsam in den Hintergrund. Das nächste große Thema ist KI in der Kirche. Die Reihenfolge der Berichte hat sich mittlerweile recht verlässlich eingependelt: Die Ordensdatenschutzbeauftragten sind am schnellsten, Dortmund kommt auf den letzten Drücker. Erstmals gab es auch einen Bericht aus Bayern, seit das KDSZ Bayern errichtet wurde. Ungerade Jahre sind evangelische Berichtsjahre – mit nur noch einer Aufsicht bleibt das so.

Aus den Gerichten

Kirchliche Gerichte

2025 wurden eine Fülle von Entscheidungen zum kirchlichen Datenschutz veröffentlicht – aber wieder ausschließlich katholische. Nach wie vor ist unklar, warum Fälle mit Datenschutzbezug in der evangelischen Verwaltungsgerichtsbarkeit eine viel geringere Rolle spielen.

Staatliche Gerichte

  • Das BAG hatte zugunsten einer Kirchenmusikerin entschieden, die Einsicht in ein Kirchengemeinderatsprotokoll eingeklagt hatte, in der es um ihre Personalsache ging. Dagegen hat die Gemeinde Verfassungsbeschwerde eingelegt, die immer noch nicht bearbeitet wurde – aber eben auch nicht abgewiesen wurde. Pikant: Verfassungsbeschwerden haben keine aufschiebende Wirkung, dennoch hat die Gemeinde erst spät eine einstweilige Anordnung beantragt, um auch legal das eingeklagte Protokoll bis zu einer Entscheidung zurückhalten zu dürfen.
  • Im März gingen beim EuGH die Vorlagefragen aus Belgien zum Löschen aus Taufbüchern ein. Noch ist in dem Verfahren nichts terminiert. Der Vatikan hat sich aber durch das Gesetzesdikasterium geäußert und erläutert, warum Taufbücher nicht gelöscht werden dürfen, und Papst Leo XIV. ist persönlich an dem Thema interessiert.
  • Das LAG Düsseldorf hat entschieden, dass das staatliche Arbeitsgericht für eine arbeitsrechtliche Frage mit Datenschutzbezug zuständig ist und hat damit die herrschende Meinung bestätigt. In der eigentlichen Sache steht das Urteil noch aus.

Themen

Aufarbeitung

Jehovas Zeugen

Am Umgang der staatlichen Aufsichten mit Jehovas Zeugen bin ich schon länger dran – lange konnten sie Berlin und Hessen nicht einigen, wer für die zentrale Körperschaft zuständig ist. In diesem Jahr kam Bewegung in die Sache.

Aus dem Vatikan

Beichtgeheimnis

  • Weltweit ist das Beichtgeheimnis unter Druck: Im US-Bundesstaat Washington, in Großbritannien und in Ungarn gab es Gesetzesinitiativen, die unterschiedlich weit gediehen sind.
  • Das Beichtgeheimnis ist nicht nur eine katholische Angelegenheit: In Washington haben auch die Orthodoxen geklagt.

Künstliche Intelligenz

Gesetzgebung

Kirchliche Gesetzgebung

  • Am 1. Mai trat das novellierte DSG-EKD in Kraft. Im Spätjahr erschien dann auch eine (leider nur online verfügbare) zweite Auflage des DSG-EKD-Kommentars, der die Änderungen berücksichtigt.
  • Die Novelle des KDG wurde durch den VDD beschlossen. Kurz vor Weihnachten wurde sie auch veröffentlicht, so dass ich das neue KDG und die neue KDG-DVO noch in diesem Jahr analysieren konnte. Jetzt liegt es an den Diözesanbischöfen, es so rechtzeitig in Kraft zu setzen, dass der 1. März 2026 als Startdatum bleibt.
  • Die anderen katholischen Reformprojekte laufen weiter, ohne dass ein Abschluss in Sicht wäre: keine neue MAVO, keine neue KAO. Immerhin wurde der Anhörungsentwurf der neuen MAVO bekannt – die geplante Regelung zum Datenschutz der MAV habe ich mir angeschaut.

Staatliche Gesetzgebung

Gastbeiträge und Interviews

Das meiste hier schreibe ich. Das muss nicht sein: Über Angebote von Gastbeiträgen freue ich mich immer. Leider ist es gar nicht so einfach, Menschen zum Schreiben zu bewegen – umso mehr freut es mich, wenn die wenigen Gastbeiträge von so hoher Qualität sind wie in diesem Jahr sind.

Praktisches

Die (datensparsam erhobenen) Zugriffszahlen zeigen: Praxisrelevantes läuft besonders gut. Hier wäre auch ein guter Ansatzpunkt für Gastbeiträge aus dem Datenschutz-Alltag von Leser*innen.

In eigener Sache

Aus der Welt

  • Die Jahresrückblicke des Dresdner Instituts für DatenschutzTeil 1 (Januar bis Juni) und Teil 2 (Juli bis Dezember) – und von Dr. DatenschutzTeil 1 (Januar bis März), Teil 2 (April bis Juni), Teil 3 (Juli bis September) und Teil 4 (Oktober bis Dezember) – haben im Blick, was allgemein in der Welt des Datenschutzes passiert ist.
  • Wer lieber hört als liest: Im c’t-Datenschutz-Podcast Ausgelegt gibt’s einen launigen und kontroverse Jahresrückblick zum weltlichen Datenschutz.

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