Nachhaltig und noch lange nicht – Wochenrückblick KW 36/2022

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Die Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz hat in ihrem Blog einen Aufsatz von Anna Karger-Kroll zur christlichen Sozialethik als Anwältin nachhaltiger Digitalisierung veröffentlicht. Der – durchweg lesenswerte – Aufsatz geht auch kurz auf Datenschutz ein, und zwar mit einer überraschenden Perspektive: Noch vor den üblichen Schutzgütern des Datenschutzes, nämlich Privatsphäre und Integrität der Person, nennt sie ökologische Aspekte: »Ein konsequenter Datenschutz ist […] aus ökologisch-ökonomischen Gründen wichtig. Schließlich werden Daten insbesondere zu kommerziellen Zwecken gesammelt und ausgewertet, und zwar mit dem ›Ziel, über personalisierte Werbung und Preise oder situatives Marketing […] das bereits heute nicht nachhaltig hohe Konsumniveau noch weiter zu steigern‹. Dies wäre angesichts der geforderten Konsumwende kontraproduktiv«, so Karger-Kroll.

Alle paar Monate stelle ich Presseanfragen zu Dauerbrennerthemen. Jetzt kam Antwort von der Hessischen Datenschutzaufsicht: Die Prüfung, ob Hessen oder Berlin für die Zeugen Jehovas zuständig ist, dauert immer noch an, wurde mir mitgeteilt. Nichts Neues gibt es auch aus Rom, hieß es zur Eröffnung des Synodalen Wegs: »Und auch der für morgen vorgesehene Bericht von Erzbischof Schick zur Straf- und Verwaltungsgerichtsbarkeit muss leider erneut entfallen, da es schlichtweg keinen neuen Stand gibt«, sagte Bischof Bätzing in seinem Bericht zur Lage.

In eigener Sache: Am 21. September um 18 Uhr leite ich bei der Stiftung Datenschutz ein Webinar zu Besonderheiten im Bereich des kirchlichen Engagements – die Teilnahme ist kostenlos.

Auf Artikel 91

  • Die Berliner Landesdatenschutzbeauftragte nimmt sich Webex vor und hat der Freien Universität ein Ultimatum gestellt, berichtet der AStA der FU. Aus unerfindlichen (wohl magentafarbenen Reselling-)Gründen findet Webex trotz unterirdischer Usability viel Einsatz (auch in kirchlichen offiziösen Kreisen). Die FU will’s drauf ankommen lassen. Gut so, egal wie man zu Webex und seiner Legalität steht: Viel zu oft lassen es Verantwortliche gar nicht erst zu einem rechtsbehelfsfähigen Vorgehen einer Aufsicht kommen, so dass die Position der Behörde gar nicht überprüft wird und überprüft werden kann.
  • Markus Reuter wendet sich auf netzpolitik.org zurecht deutlich gegen Smartwatches für Schulkinder, die so von klein auf überwacht und an Überwachung gewöhnt werden: »Ich will, dass mein Kind die Welt selbst entdeckt, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit lernt und ich nicht bei jedem Schritt digital dabei bin. Mein Kind hat Grundrechte und eine Privatsphäre.«
  • Der Europäische Datenschutzausschuss hat seinen Überblick über die Ressourcenausstattung von Datenschutzaufsichten aktualisiert: Im Vergleich zum Vorjahr bei den meisten höher, aber nach eigener Einschätzung immer noch zu wenig. Bei den kirchlichen Aufsichten liegen nicht genügend neue Daten vor, um die hier angefertigte Übersicht aus dem letzten Jahr auf einen aktuelleren Stand zu bringen.

Kirchenamtliches

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