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Die Woche im kirchlichen Datenschutz
Papst Leo XIV. fordert KI-Kompetenz
Der Gedenktag des heiligen Franz von Sales (24. Januar) ist der Termin, an dem die Papstbotschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel veröffentlicht wird. So hält es auch der neue Papst weiter. Seine erste Botschaft nutzte er, um seine Position zum Umgang mit »Künstlicher Intelligenz« zu schärfen. Ein Thema, das er schon ganz zu Beginn seines Pontifikats stark gemacht hat. Der Papst benennt sehr deutlich die wirtschaftlichen Strukturen hinter KI und benennt »oligopolistische[] Kontrolle algorithmischer Systeme und künstlicher Intelligenz, die in der Lage sind, das Verhalten subtil zu beeinflussen und sogar die Geschichte der Menschheit – einschließlich der Geschichte der Kirche – neu zu schreiben, oft ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind«.
Es geht ihm nicht darum, Entwicklungen zu stoppen, »sondern sie zu lenken und uns ihrer Ambivalenz bewusst zu sein«. Instrumente dazu sieht er in Verantwortung, Zusammenarbeit und Bildung – es lohnt sich, die ganze Botschaft zu lesen. Bemerkenswert ist, dass unter dem Aspekt der Bildung deutliche Parallelen zur Regulierungsstrategie der EU-KI-Verordnung mit ihrer Pflicht zur KI-Kompetenz zu finden sind:
»Medien-, Informations- und KI-Kompetenz helfen Einzelpersonen dabei, sich nicht den anthropomorphisierenden Tendenzen von KI-Systemen anzupassen, und ermöglichen es ihnen, diese Systeme als Werkzeuge zu betrachten und stets eine externe Validierung der von KI-Systemen bereitgestellten Quellen vorzunehmen – die ungenau oder falsch sein könnten. Solch eine Kompetenz ermöglicht auch einen besseren Datenschutz und eine bessere Privatsphäre durch ein gesteigertes Bewusstsein für Sicherheitsparameter und Beschwerdemöglichkeiten. Es ist wichtig, sich selbst und andere darin zu schulen, die KI bewusst zu nutzen, und in diesem Zusammenhang das eigene Bild (Fotos und Audio), das eigene Gesicht und die eigene Stimme zu bewahren, um zu verhindern, dass sie für die Erstellung schädlicher Inhalte und Verhaltensweisen wie digitalen Betrug, Cybermobbing undDeepfakesverwendet werden, die ohne Zustimmung der Betroffenen deren Privatsphäre und Intimität verletzen.«
Hier bezieht sich Leo XIV. wieder an seinen Namenspaten Leo XIII., den Begründer der päpstlichen Sozialverkündigung im 19. Jahrhundert. So wie damals »die industrielle Revolution grundlegende Kenntnisse erforderte, damit die Menschen auf neue Entwicklungen reagieren konnten, so erfordert auch die digitale Revolution digitale Kompetenz (zusammen mit humanistischer und kultureller Bildung), um zu verstehen, wie Algorithmen unsere Wahrnehmung der Realität prägen, wie KI-Verzerrungen funktionieren, welche Mechanismen das Erscheinen bestimmter Inhalte in unseren Feeds bestimmen, welche wirtschaftlichen Prämissen und Modelle der KI-Wirtschaft es gibt und wie sie sich verändern können«.
Offboarding von Ehrenamtlichen
Die niederländische katholische Kirche fällt immer wieder durch praktische und pragmatische Datenschutz-Tipps in ihrem Blog auf. Der jüngste bezieht sich auf die Beendigung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Die sollte immer mit einem guten Offboarding-Prozess gestaltet sein, schon um angemessen Danke zu sagen. Es gibt aber natürlich auch Fragen des Umgangs mit personenbezogenen Daten, auf die im Rahmen des Ehrenamts zugegriffen werden konnte.
Dazu wird eine (freundlich formulierte) Briefvorlage (docx-Format) zur Verfügung gestellt. Im Kern werden ehemalige Ehrenamtliche auf drei Punkte hingewiesen:
- Überprüfen, ob sich personenbezogenen Daten aus dem Ehrenamt noch auf persönlichen Geräten oder in privaten Umgebungen befinden,
- diese Daten soweit vorhanden von persönlichen Geräten und aus persönlichen (Mail-)Konten zu löschen und
- alle Listen, Akten oder Dokumente, die sich auf die ehrenamtliche Tätigkeit beziehen und auch personenbezogene Daten von Gemeindemitgliedern enthalten, an den Gemeindevorstand zurückzugeben.
Refinanzierung von Digitalisierung im Sozialwesen
Die Caritas befasst sich mit der Frage, wie Digitalisierung im Sozialwesen finanziert werden kann. Im Caritas-Digital-Blog wurden erste Ergebnisse der Initiative »Refinanzierung Digitalisierung« veröffentlicht. Als großes Problem wird darin identifiziert, dass bei zuwendungsfinanzierten Angeboten kaum laufende Mittel für Digitalisierung zur Verfügung stehen, während Projektmittelnur bedingt helfen, weil ihre Logik nicht zu strukturellen Bedarfen passe. Eine der dort entwickelten Strategien: Digitalisierung soll als betriebsnotwendiger Bereich ausgewiesen werden. »Besonders Datensicherheit, IT-Betrieb und Verwaltung müssen stärker als dauerhafte Pflichtaufgabe verankert werden – das ist ein zentrales Argument in Entgeltverhandlungen«, heißt es in dem Papier.
In eigener Sache
- Beim Könzgenhaus im Bistum Münster biete ich einen Kurs für die Mitglieder (katholischer) MAVen an: Datenschutz für die MAV, 4.–6. März 2026, 695 Euro.
Auf Artikel 91
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Aus der Welt
- Die Bonner Agentur Bonn.digital gehört zu den großen Förderern des Fediverse, unter anderem durch den Betrieb eines Mastodon-Servers. Im Blog der Agentur gibt es ein Praxisbeispiel, wie ein umfangreicher YouTube-Account zu PeerTube und damit zu einer datenschutzfreundlichen Alternative umgezogen wurde.
Kirchenamtliches
- Niederländische Bischofskonferenz: AVG-nieuws: een vrijwilliger die stopt mag geen persoonsgegevens meenemen
- Bistum Osnabrück: Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den Kirchlichen Datenschutz (KDG) (KDG-Änderungsgesetz), Verordnung zur Änderung der Durchführungsverordnung zum Gesetz über den Kirchlichen Datenschutz (KDG-DVO-Änderungsverordnung), Gesetz über den Kirchlichen Datenschutz (KDG), Durchführungsverordnung zum Gesetz über den Kirchlichen Datenschutz (KDG-DVO) – Korrekturen bereits aufgenommen.
- Bremische Landeskirche: Kirchengesetz zur Änderung des Datenschutzausführungsgesetzes
